Overgrooming bei Katzen – wenn Fellpflege zum Problem wird

Overgrooming bei Katzen – wenn Fellpflege zum Problem wird

Was ist overgrooming bei Katzen? Das Katzen äußerst reinliche Tiere sind und die sich häufig und intensiv putzen, dürfte jedem Katzenhalter bekannt sein. Schließlich gelten Katzen als die reinlichsten Tiere der Welt. Warum Katzen so viel Wert auf Körperhygiene legen, wann der Putzzwang zu einem Problem wird und was Sie gegen das sogenannte Overgrooming bei Katzen (Alopezie) tun können erfahren Sie in diesem Artikel.

Warum ist grooming so wichtig für Katzen?

Schutz vor äußeren Einflüssen

Für Katzen ist die Fellpflege (auf englisch grooming) sehr wichtig. Bis zu drei Stunden täglich verbringen unsere Stubentiger im Schnitt damit sich zu putzen. Dabei geht es allerdings nicht ausschließlich um die Entfernung von Schmutz oder anderen Fremdkörpern aus dem Fell, sondern auch darum, dass von den Talgdrüsen produzierte Fett über den Körper zu verteilen.

Durch die so entstehende „Fettschicht“ wird das Fell mehr oder weniger gegen Feuchtigkeit imprägniert und erhält eine isolierende Wirkung. Somit hat das grooming bei Katzen nicht nur einen rein kosmetischen Hintergrund, sondern dient auch dem Zweck die Katze vor Feuchtigkeit und Temperatureinflüssen zu schützen.

Im Sommer hat das grooming zudem einen Erfrischenden Effekt, da sich die Katzen mit den mit Speichel befeuchteten Pfoten einen Hitze-Ausgleich verschaffen.

Soziale Hintergünde des groomings

Im Zusammenleben mit anderen Katzen hat die gegenseitige Fellpflege darüber hinaus einen sozialen Hintergrund. Bereits in den ersten Lebenswochen der jungen Katzen beginnt die Mutterkatze damit, ihre Jungen zu putzen um so den Familiengeruch zu verteilen und zu erhalten.

Bei ausgewachsenen Katzen gehört das eigene und untereinander stattfindende grooming zu den Beschwichtigungssignalen. So wird für Harmonie innerhalb der Gruppe gesorgt und Streitigkeiten vermieden. Eine sich intensiv pflegende Katze sendet anderen Katzen das Signal, dass sie keine feindlichen Absichten hegt, so dass Spannung in den meisten Fällen von Anfang an vermieden werden.

Grooming bei Stress und Aufregung

Zudem hat die Fellpflege den Hintergrund, dass Katzen auf diese Art und Weise Stress und körperliche Anspannung abbauen. Außerdem werden durch das grooming Endorphine freigesetzt, die der Katze insbesondere in Stresssituation helfen, die Situation „souverän“ zu überstehen.

Overgrooming bei Katzen – wenn die Fellpflege zum Zwang wird

Als Overgrooming oder auch Alopezie bezeichnet man in der Veterinämedizin ein stereotypes, zwangshaftes Verhalten von Katzen, dass sich durch eine stark übertreibene Fellpflege auszeichnet.

Allerdings sollten Sie Ihre Katze nicht gleich zum Tierarzt bringen, nur weil diese sich an einigen Tagen mal etwas intensiver pflegt als sonst. Sollten Sie allerdings feststellen, dass Ihre Katze sich scheinbar zwanghaft das Fell leckt und dieses Verhalten über einen längeren Zeitraum beibehält, ist es durchaus möglich, dass es sich dabei um ein Zwanghaftes Verhalten handelt.

Bei einigen Katzen, die unter einer Alopezie leiden, geht das Verhalten so weit, dass Sie sich damit schweren körperlichen Schaden zufügen. So kann Overgrooming mit der Zeit zu kahlen Stellen führen, da sich die betroffenen Katzen die Haare regelrecht ausreißen. Auch tiefe Wunden, Hautirritationen und Infektionen sind bei Katzen. die unter der Zwangsstörung leiden an der Tagesordnung.

Mögliche Ursachen für Overgrooming bei Katzen

In vielen Fällen hat das zwanghafte Putzverhalten psychische Ursachen. Katzen sind äußerst sensible und feinfühlige Tiere, die unter Stress oder in einem unsicherem Umfeld damit anfangen sich zu putzen, um mit der Situationen klarzukommen und sich selbst zu beruhigen.

Sollten Sie das Gefühl oder die Gewissheit haben, dass das grooming bei Ihrer Katze zwanghafte Züge angenommen hat, sollten Sie sich in erster Linie Gedanken darüber machen, welche äußeren Einflussfaktoren der Auslöser sein könnten.

Folgende Umstände können bei Katzen zu Stressführen:

  • Umzug in ein neues Zuhause
  • Renovierungsarbeiten im Haus
  • Neue Familiäre Situationen (Partnerwechsel, Familiennachwuchs, neues Haustier)
  • Permanenter Streit innerhalb der Familie
  • Dauerhafter Lärm (beispielsweise aufgrund einer Baustelle vor dem Haus)

Doch nicht nur Stress kann zu overgrooming bei Katzen führen. Auch eine parasitäre Infektion sollte als Ursache in Betracht gezogen werden. Besonders Freigänger Katzen haben ein erhöhtes Risiko sich Milben, Würmer oder Flöhe einzufangen. Diese Parasiten lösen oft einen starken Juckreiz aus.

Darüber hinaus kann häufiges putzen auch auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit zurückzuführen sein. Eine solche Allergie kann beispielsweise durch einen Futterwechsel ausgelöst werden. Auch eine unbehandelte Pilzinfektion oder eine Diabetes-Erkankung können Overgrooming bei Katzen auslösen.

Wichtig:
Um der Ursache für das zwanghafte Putzverhalten auf den Grund gehen zu können, sollten Sie mit Ihrer Katze in jedem Fall zum Tierarzt gehen. Dieser kann pathologische Ursachen diagnostizieren oder ausschließen und eine entsprechende Behandlung einleiten.

Glückshormone verstärken das Putzverhalten

Da das Putzverhalten für die Ausschüttung von Glückshormonen führt und die Fellpflege somit ein selbstbelohnendes Verhalten ist, sind die Katzen in einer Art Teufelskreislauf gefangen. Dabei sorgen die freigesetzten Endorphine dafür, dass die Schmerzen überdeckt werden und von der Katze nicht oder nur vermindert wahrgenommen werden.

Woran erkenne ich Alopezie bei meiner Katze?

Wenn Ihre Katze über einen längeren Zeitraum von mehreren Tagen bis Wochen länger als drei Stunden täglich mit der Fellpflege beschäftigt ist, ist dies ein erstes Anzeichen für Overgrooming. Auch wenn sich die Katze plötzlich für nichts anderes mehr zu interessieren scheint, ist dies ein Warnsignal. Katzen mit Alopezie reagieren meist weder auf ihr Lieblingsspielzeug, noch auf besonders leckere Leckerlies.

Spätestens wenn Ihre Katze kahle Stellen, Kratzspuren oder Wunden an Ihrem Körper aufzeigt. ist dringender Handlungsbedarf geboten.

Achtung: Je länger ein Zwangsverhalten andauert, desto gefestigter ist diese Verhaltensweise. Um eine gesicherte Diagnose zu erhalten, sollten Sie auch bei einem geringen Verdacht immer zum Tierarzt gehen.

Was kann ich tun wenn meine Katze unter Alopezie leidet?

In erster Linie sollten Sie sofort zum Tierarzt gehen um abzuklären, ob eventuell eine parasitäre Infektion, eine Allergie oder eine andere pathologische Ursache hinter dem overgrooming steckt.

Wenn der Tierarzt eine pathologische Ursache verlässlich ausschließen kann, sollten Sie als sinnvolle Erstmaßnahme zunächst versuchen Ihren Vierbeiner so gut es geht zu beschäftigen und abzulenken, um zu große Verletzungen zu vermeiden. In einigen Fällen ist mangelnde Beschäftigung sogar die Ursache für das Problem. Außerdem ist es wichtig nach potentiellen Stressfaktoren zu suchen, die für das Verhalten verantwortlich sein könnten. Machen Sie sich Gedanken darüber, ob und wenn ja welche Faktoren sich im Umfeld ihrer Katze verändert haben, die das Overgrooming ausgelöst haben könnten.

Auf keinen Fall sollten Sie Ihren Liebling für sein Verhalten bestrafen. Dadurch lösen Sie bei Ihrer Katze nur noch mehr Stress aus und verstärken das Verhalten. Doch auch eine positive Bestätigung des Verhaltens – beispielsweise durch streicheln im Moment des groomings – muss unbedingt vermieden werden.

Die oben genannten Informationen sind nicht zur Selbstdiagnose geeignet. Sollte Ihr Tier Anzeichen einer Erkrankung aufzeigen, empfehlen wir Ihnen dringend einen Tierarzt aufzusuchen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.